Forschungsfragen
Was genau repräsentieren urbane Messungen und Simulationen?
Was messen/simulieren wir eigentlich?
Bei jeder Messung ist es wichtig zu wissen, was genau erfasst wird: Die räumliche und zeitliche Auflösung kann in manchen Fällen interessante Eigenschaften hervorbringen. Punktmessungen verhalten sich anders als Linienmessungen, und schnelle sowie langsame Reaktionen stehen mit diesen Unterschieden in Wechselwirkung: In der Strömungsmechanik sind Raum und Zeit stets über Geschwindigkeits- (Wind-)Felder miteinander gekoppelt. Folglich erfordert die Interpretation von Daten Kenntnisse über den Standort, die Messgeräte und die Bedingungen, selbst wenn die Messgeräte selbst gut kalibriert und frei von anderen Verzerrungen und Fehlern sind.
Das gleiche Konzept gilt für numerische Modelle: Aggregation, Modellformulierung und Auflösung beeinflussen, welche Effektskalen simuliert werden können.
Wir erheben Daten und führen Simulationen durch, um zu charakterisieren, wie gut die numerischen Modelle Phänomene wie katabatische Strömungen, die mit städtischen Wärmeinseln interagieren, sowie den Transport von Luftschadstoffen wie Feinstaub oder Stickoxiden (NOx) simulieren können. Wir beobachten auch Eigenschaften des Systems innerhalb der Modelle, die uns helfen, Lücken in unseren Messstrategien aufzudecken. Dieser symbiotische Prozess hilft uns, die Grenzen sowohl der numerischen Modelle als auch der Messtechniken zu charakterisieren und zu quantifizieren, um anschließend Strategien für Verbesserungen in beiden Bereichen zu entwickeln.
Wie kann man urbane turbulente Flüsse richtig messen und interpretieren?
Wie genau können wir urbane Flüsse bestimmen?
Zur Berechnung turbulenter Flüsse benötigen wir eine zuverlässige Aggregation, um die Schwankungen zu quantifizieren. Diese Aggregation umfasst verschiedene Schritte, die größtenteils für Ökosystemstandorte entwickelt wurden, die relativ flach und homogen sind (die internen Mittelwerte sind größer als die internen Varianzen). In der Praxis bedeutet dies, dass diese Methoden in städtischen Gebieten möglicherweise schwer anzuwenden sind, da nicht garantiert werden kann, dass die erforderlichen Annahmen unter vielen Bedingungen erfüllt sind.
Aus diesem Grund untersuchen wir die Grenzen und die Anwendbarkeit der Eddy-Kovarianz-Methode. Wir haben die Auswirkungen verschiedener Verarbeitungsmethoden untersucht und bewertet, wie sich die Kopplung innerhalb der Grenzschicht auf die Quantifizierung der Flüsse auswirkt.
Zur Durchführung dieser Forschung betreiben wir einen Standort mit einem hohen Messmast in München (siehe Methodik), der mit einem Doppler-Windlidar ausgestattet ist, und arbeiten mit mehreren Partnern zusammen. Der Beginn dieser Untersuchung erfolgte im Rahmen des ICOS Cities-Projekts (siehe Projekte).
Wie beeinflusst urbane grüne Infrastruktur die Luftqualität?
Bäume in der Stadt helfen uns, oder?
Es ist bekannt, dass in vielen Klimaten Bäume in Städten das lokale Klima verbessern, da sie Schatten und Feuchte spenden. Es gibt allerdings auch andere Effekte: in engeren Straßen und Höfen haben Bäume einen wichtigen Einfluss auf den Luftstrom und somit den Transport von Wärme, Feuchte und Luftschadstoffen. Außerdem können Bäume selbst auch Quellen von Spurengasen oder auch Pollen sein.
Heißt das, das Bäume uns unter Umständen in Städten mehr schaden als nützen? Um diese schwierige Dynamik untersuchen zu können, haben wir Modelle entwickelt, anhand derer wir das Zusammenspiel detailliert untersuchen können. (siehe Methodik).
Wie beeinflusst Urbanisierung räumliche und zeitliche Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung?
Wenn eine Ursache (z.B. ein Gewitter) in einen urbanen Raum tritt, welchen Effekt haben die Eigenschaften des urbanen Raumes auf die Manifestation der Wirkung? Konkret am Beispiel eines Gewitters untersuchen wir, wie sich der Niederschlag verändert, welche Faktoren diese Veränderung beeinflussen und welche Konsequenzen sich ableiten lassen (Überflutung, Blitzschlag, usw.). Eines der Ziele ist, Werkzeuge zu entwickeln, anhand derer diese wissenschaftlichen Erkenntnisse im realen Leben Erleichterungen bringen können. Ein konkretes Beispiel war eine Analyse von Feuerwehr Einsätzen im Zusammenhang mit Starkniederschlägen, die dann mit einem GIS Werkzeug für die Verwaltungen Informationen liefern, welche Bereiche besonders gefährdet sind. (siehe hier)
Kollaborationen
Das Team des Deutschen Wetterdienst hat Daten für einige unserer Evaluationen von PALM bereitgestellt. Außerdem fließen unsere Temperaturmessungen in München in den Urbanen Wärme Atlas ein.
Mit Prof. Yueyang He gemeinsam arbeiten wir an Projekten zur systematischen Vermessung urbaner Windfelder mit Doppler Wind Lidar, sowie zur Assimilation in urbane Meso- und Mikroskalen Modelle, die genauere Windprofile für Architektonische Analysen von Windlast im komplexen Gelände liefern sollen.
Gemeinsam mit den Teams von Prof. Dominique Derome, Prof. Jan Carmeliet und dem Hong Kong Observatory arbeiten wir an einem Modellvergleich von WRF, PALM und Urban MicroFOAM für Hong Kong und einer Evaluation mit dem dichten Messnetz des HKO.
In dieser Zusammenarbeit zwischen Prof. Jia Chen's Gruppe und unserer Forschungsgruppe geht es um den Austausch von Erfahrungen und Daten der urbanen Fluss- und Windmessungen in München (siehe Methodik). Zusätzlich unterstützen wir das Team der TUM bei der Verwendung der Daten für deren Simulationen der Luftqualität mit den numerischen Modellen WRF, PALM und GRAM-GRAL.
Das kürzlich gegründete Environmental Health Sciences Institut der Universität Augsburg befasst sich unter anderem mit der Erforschung der Effekte von Luftqualität auf die menschliche Gesundheit. Hierzu kollaboriert die Gruppe von Prof. Christoph Knote mit unserer Forschungsgruppe, um PALM Simulationen von Aerosolen und Pollen für epidemiologische Zwecke und für Open Source Anwendungen wie Luftqualitätsapps nutzbar zu machen.
Das Team von Prof. Natascha Kljun im Department of Earth and Environmental Sciences berechnet Fluss Abdrücke (flux footprints), anhand derer wir die Repräsentativität unserer Eddy Kovarianz Messungen für die Umgebung bestimmen können. Durch diese Zusammenarbeit lässt sich der Bezug unserer Punktmessung zu Quell-Sektoren herstellen.
Im Rahmen des PAUL Projektes haben wir eng mit dem Team von Prof. Andreas Christen zusammen gearbeitet, um die koordinierten Kampagnen in Zürich, Paris und München durchzuführen. Durch diese Zusammenarbeit war es möglich, Instrumentation auf bisher nicht praktikable Art einzusetzen und moderne Messkonzepte zu testen und auszuwerten.
Gemeinsam mit den Teams von Prof. Dominique Derome, Prof. Jan Carmeliet und dem Hong Kong Observatory arbeiten wir an einem Modellvergleich von WRF, PALM und Urban MicroFOAM für Hong Kong und einer Evaluation mit dem dichten Messnetz des HKO.
Mit dem Team von Prof. Matthias Mauder arbeiten wir an Methodik für Simulation und Beobachtung von Turbulenz und der Erweiterung unseres Verständnisses von Heterogenität.
Gemeinsam mit den Teams von Prof. Dominique Derome, Prof. Jan Carmeliet und dem Hong Kong Observatory arbeiten wir an einem Modellvergleich von WRF, PALM und Urban MicroFOAM für Hong Kong und einer Evaluation mit dem dichten Messnetz des HKO.
Mit dem Moor Forschungs Institut arbeiten wir an der Vermessung der Kohlenstoffflüsse im Zusammenhang mit der Aufnässung des Moores bei Benediktbeuern.